Buchmalerei oder: Bruchstücke von Ewigkeiten

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„Malen ist stumme Poesie, Poesie ist blinde Malerei.“ Leonardo da Vinci

Vielleicht ist Buchmalerei sogar mehr, denn in ihr verbinden sich
gleichermaßen Malerei, Schrift und Poesie.

Diese schon lange untergegangene Kunstform fasziniert uns bis heute
mit ihren sorgfältig gemalten Schriften, mit leuchtenden Farben aus
edelsten Pigmenten und illuminiert mit reinem Gold. Geschrieben
auf Pergamentseiten in ledergebundenen Büchern, die oft mit Edelsteinen
oder Elfenbein verziert wurden.
In diesen Schätzen hat das geistige Erbe unserer Kultur eine würdige Form
des Bewahrens und Weitergebens gefunden. Sie erinnern uns an unsere Wurzeln
und an das Zusammenspiel von Spiritualität, Kunst und Handwerk.

… ein bisschen zur Historie:
Im Gegensatz zur langen Kontinuität der orthodox geprägten Bilder- und
Ikonenkunst des bis ins 15. Jhdt andauernden oströmischen Reiches hat die
Schrift- und Buchkunst in Europa nach dem Untergang des weströmischen
Reiches wechselvolle Stilrichtungen erlebt.

Die vielfältigen Entwicklungen und Renaissancen der in Europa eher
röm.-kath. geprägten Schrift- und Buchkunst geht jedoch oftmals
auf byzantinische Impulse und Einflüsse zurück.
Wertvolle Handschriften und Bücher gelangten hauptsächlich durch
Künstler und Gelehrte nach Europa, die vor persischen und muslimischen Angriffen
oder vor dem byzantinischen „Bilderstreit“ nach Italien flohen.
Karl der Große hat einige dieser Schreiber an seinen Hof geholt und so
ein Fundament geschaffen, auf dem sich die Buchmalerei nach der durch
ihn benannten karolingischen Epoche in Europa weiter ausbreiten und
entwickeln konnte.
Es folgten die ottonischen, romanischen und die gotischen Buchmalstile,
bis sie dann in der Renaissance durch den Buchdruck abgelöst wurden.

Während anfangs der Klerus die kostbaren Missalen, Evangeliare, Psalter
und Bibeln stiftete, vergab auch der Adel verschiedenste Aufträge
an Buchmalerwerkstätten. Es gab Liebeslyrik mittelalterlicher Minnesänger
und Friedrich II. z. B. schrieb das legendäre „Falkenbuch“.
Aber das elegante und reich illustrierte Stundenbuch, eine Art kalendarisches
Andachtsbuch für Laien (z.B. das „Très riches heures“ des Duc de Berry)
wurde jedoch die beliebteste Buchgattung des ausgehenden Mittelalters.

Bücher für das Bürgertum wurden in schlichter Ausführung hergestellt.
Das teure Pergament wich dem billigeren Papier und der Buchdruck
eroberte schließlich die Welt.
Die Buchmalerei blieb jedoch noch viele Jahrzehnte Sammel- und
Prestigeobjekt. Und so staunen wir noch heute über die Opulenz der
Ausstattung, die Feinheit und Präzision der Miniaturen und über den
majestätischen Glanz der Vergoldungen, die die Jahrhunderte überdauert
haben.

Dieser Reichtum kann in unserer eigenen kalligraphischen Arbeit
mit Schrift, Bild, Poesie, Tradition und Moderne zusammenfließen.
Wir können „aus den Bruchstücken von Ewigkeiten“ neue,
zeitgemäße Kompositionen entwickeln, die Schönheit der Farben feiern mit Texten,
die uns berühren … auch wir sind Teil dieser Entwicklung!
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