RILKE & Co.

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Aus meinem Skizzenbuch “Rilke” das Gedicht :”Ich liebe dich, du sanftestes Gesetz.”

“Der Vorteil der Poesie ist,
dass sie uns daran erinnert,
wie schwer es ist,
man selbst zu bleiben,
denn unser Haus steht offen,
die Tür ist schlüssellos,
und unsichtbare Gäste
gehen ein und aus.”

-Ceszlaw Milosz-

Laurie Doctor und ich haben zum Sommerthema “STUNDENBUCH”
von R.M. Rilke ins Scriptorium eingeladen. Die Idee zur zweisprachigem
Annäherung an Dichtung hat sich als ungeheuer bereichernd herausgestellt.
“Übersetzungs-Eigenheiten” und Interpretationen machten SPRACHE
“mehrschichtig” les- und fühlbar und haben zu einem viel tieferen
Textverständnis geführt und auch ganz eigene Deutungen ermöglicht.

“Du siehst, ich will viel”, ein Gedicht aus dem ersten Teil des Buches,
Vom mönchischen Leben, haben wir neben anderen Gedichten näher
untersucht. Einige haben die ersten Tage mit Rilke gelegentlich “gekämpft”.
Vieles ist nicht leicht verdaulich, manchmal sogar sperrig und nicht jeder
stimmt dem Gesagten zu. Die eigene Position zu finden ist vielleicht die
wesentliche Aufgabe in der künstlerischen Auseinandersetzung mit Dichtung.

Du siehst, ich will viel

Du siehst, ich will viel. 

Vielleicht will ich Alles: 

das Dunkel jedes unendlichen Falles 

und jedes Steigens lichtzitterndes Spiel.



Es leben so viele und wollen nichts,

und sind durch ihres leichten Gerichts

glatte Gefühle gefürstet. 



Aber du freust dich jedes Gesichts,

das dient und dürstet.


Du freust dich Aller,
die dich gebrauchen 
wie ein Gerät.



Noch bist du nicht kalt,
und es ist nicht zu spät, 

in deine werdenden Tiefen zu tauchen, 

wo sich das Leben ruhig verrät. 


Vielen Dank an alle, die diese Woche mitgestaltet haben und zu dem
besonderen Ereignis gemacht haben! Danke für den Gedankenaustausch
und die lebendigen Beziehungen, die daraus entstanden sind.

Laurie und mir war es eine große Freude. Wir hatten auch jenseits des Kurses intensive Gespräche über Dichtung, Sprache und die sich daraus ergebenden Fragen und haben den Plan gefasst, im März 2019 in Taos/New Mexico ein ähnliches Programm anzubieten.

Fortsetzung folgt…

Ein Gedanke zu „RILKE & Co.

  1. Petra Decking

    Ich hole die Kastanien
    aus dem Feuer

    Es ist ein kalter Tag

    Ich bin mit meinem Gefühl
    immer bei dir

    Wann werde ich wieder
    Gedichte schreiben

    wie einst

    (Rose Ausländer)

    Liebe Sabine,
    es ist ein bewegender Kurs gewesen.In Anschluss daran Weimar.
    Da erscheint die Welt tatsächlich manchmal wie ein kalter Tag, entfernt von
    den vielen, tiefen Gedanken und Worten welche in dieser Zeit entstanden sind.
    Und diese Zeit bietet zugleich Zuflucht in ein Aufgehoben sein, welches Zeit und
    Distanz überwindet. Nicht gerade Taos (ich fliege nicht) aber andere Gelegenheiten
    werde ich nutzen um im Scriptorium wieder Gedichte zu schreiben
    Petra

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