Archiv für den Monat: Oktober 2016

GOLDENE ZEITEN

…Gold adelt und veredelt. Es ist der Stoff des
Reichtums, materialisierte Sonne, ein Element
voller Mythen und Fantasien.

…Es steht außerdem für Weisheit, Klarheit
und Lebenskraft…
Seine Bedeutung nimmt in allen Kulturen
den höchsten Stellenwert ein.

…Es ist die nächste Farbe am Licht, schreibt
Goethe in seiner Farbenlehre über das gelb
und ganz besonders in seiner Steigerung,
dem Gold, wenn der Glanz hinzu kommt…

…Eine wunderbar stimmungsvolle Beschreibung des Japaners
Jun’ Ichiro Tanizaki aus seinem Buch “Lob des Schattens”

“Die Bewohner der dunklen Häuser in früheren Zeiten ließen sich wohl nicht nur von der wundervollen Farbe des Goldes bezaubern sondern kannten gleichzeitig seinen praktischen Nutzen. Denn in lichtarmen Innenräumen hatte es ohne Zweifel auch die Aufgabe des Reflektors […], um die Helligkeit zu erhöhen. Wenn das zutrifft, liegt der Grund für die ungemeine Wertschätzung des Goldes auf der Hand: Während nämlich der Glanz von Silber und anderen Metallen bald verblasst, bewahrt es das Gold sehr lange und seine Leuchtkraft mildert so die Düsternis eines Innenraums. Hier und da macht man die Entdeckung, dass der Goldstaub, der eben noch einen gleichsam schlummernden, gedämpften Widerschein hervorgebracht hat, beim Zurseitetreten wie Feuer aufflammt […] Hier erst wird mir ganz deutlich, warum die Alten ihre Buddhastatuen oder die Wände in den Wohnräumen der Vornehmen vergoldet haben.”

Wir können kein Gold herstellen, aber wir können es auf Pergament
oder Bütten erstrahlen lassen, indem wir Untergründe
herstellen, wie wir sie aus den mittelalterlichen, prachtvollen
Handschriften kennen.
Hier also eine kleine Bildfolge zur Herstellung von Gesso, dem
berühmten ( und in Kursen “berüchtigten”) Kreidegrund. Berüchtigt
deshalb, weil er etwas anspruchsvoll ist in der Vorbereitung und
auch später ist seine Anwendung nicht ganz unkompliziert.
Mal davon abgesehen, dass alle Prozeduren für einen modernen
Menschen unzeitgemäß lange dauern und mit größter
Aufmerksamkeit ausgeführt werden müssen.
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Es ist wirklich manchmal eine ziemliche Geduldsprobe, aber die
Ergebnisse, der Glanz des Goldes ist jede Mühe wert.
Alle Zutaten werden mit einem Glasläufer zu einer ganz feinen
Pulverstruktur vermahlen, dann fügt man Fischleim und etwas
Wasser hinzu und mahlt erneut… wieder stundenlang…
wenn man aus lauter Erschöpfung aufgeben will, kann man mit
einzelnen Pinselproben sein Ergebnis testen und wird sicher
feststellen, dass die Körnung der Masse noch zu grob ist, also weiter…

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Irgendwann ist es geschafft, die Masse wird entweder möglichst
blasenfrei auf Alufolie in kleine Portionen zum Trocknen verteilt
( ich bevorzuge die Aufbewahrung in kleinen Muscheln)
Nun kann alles erst mal trocknen….
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Gesso bevorzugt bei der weiteren Verarbeitung eine hohe
Luftfeuchtigkeit, damit das Blattgold auch haften bleibt,
aber das ist eine andere Geschichte…
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„Was ist herrlicher als Gold?” fragte der König.
„Das Licht,” antwortete die Schlange.
„Was ist erquicklicher als Licht?” fragte jener.
„Das Gespräch,” antwortete diese. (Goethe, Märchen)

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