Archiv des Autors: Sabine Danielzig

Innere Quellen

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Gerade komme ich von einem sehr intensiven Kalligraphie-
Symposium in Belgien mit vielen, vielen Eindrücken
zurück. Die etwa 60 Teilnehmer kamen aus aller Welt
angereist, um sich auszutauschen, sich kennenzulernen
und natürlich vor allem um Neues dazu zu lernen…

Vier wunderbare und erfahrene Dozenten haben uns in phantasievoller Weise dazu angeregt, neue kalligraphische Ausdrucksmöglichkeiten zu finden, alte Sehgewohnheiten aufzubrechen und auch dem Zufall Raum zu geben, damit völlig neue Assoziationen entstehen und so bereichernd in die Arbeit einfließen können.
Aber auch endlose Wiederholungen desselben Wortes können eindrückliche Blickveränderungen bewirken, malerische Techniken in Gruppenarbeiten auf großen Flächen führen zu unerwarteten und reizvollen Ergebnissen. Rückblicke in die Kunstgeschichte, aber auch das Erkunden und Niederschreiben von eigenen Lebensfragen, die uns tief bewegen sind große Herausforderungen, dazu inspirierende Gruppengespräche, die lange nachwirken werden und vieles mehr…

Die Woche war zu intensiv und umfangreich, als dass ich alles hier aufzählen könnte, aber der Schatz der schöpferischen Möglichkeiten, den wir haben, um uns auszudrücken scheint wirklich unbegrenzt zu sein!

Wenn man bereit ist, sich auf Unerwartetes einzulassen, führt gerade dieses scheinbar planlose Experimentieren überraschenderweise direkt an die eigenen Quellen und so kommen ungeahnte Ideen, alte Wünsche und neue Bilder zum Vorschein!

Wir sollten unsere inneren Quellen wieder sprudeln lassen….

Perspektivwechsel & Überraschungen

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„Grundvoraussetzung für kreatives Schaffen sind Spiellust, Liebe, Konzentration, Übung, Technik, Gebrauch der Grenzen und der Fehler, Risiko, Ergebenheit, Mut und Vertrauen.“

Ausgehend von diesem Gedanken von Stephen Nachmanovitch
zur Kreativität haben wir uns am Wochenende im Kurs mit den Möglichkeiten des Bildaufbaus beschäftigt. Wir haben groß und frei gearbeitet und in engen, festgelegten Rahmen, allein und im Austausch. Wir haben experimentiert und geforscht und uns immer wieder gegenseitig beraten. Eine der erstaunlichsten Einsichten war, dass immer dann, wenn wir scheinbar „nur gespielt“ haben, die Ergebnisse am zufrieden-
stellendsten waren. Und je mehr wir gegrübelt haben, desto mehr Zweifel und Ratlosigkeit hat sich in die Arbeit geschlichen. Wir haben an mehreren Dingen gleichzeitig gearbeitet, so dass wir wechseln konnten, sobald wir in einer Sackgasse steckengeblieben sind. Später konnte man mit erfrischtem Blick ganz neu auf das Werk schauen…

Und manchmal, wenn eine scheinbar bereits „gescheiterte“
Aufgabe in einen neuen Zusammenhang gestellt wurde,
zeigte sie doch plötzlich ihre verborgenen Qualitäten…
Manches, was eher zufällig und unzusammenhängend
entstanden ist, ergab in der Schlussbetrachtung einen
völlig logischen Aufbau, der vorher so nicht planbar
gewesen ist.

Am Ende war die Fülle der Arbeiten und Entdeckungen so
überwältigend und doch bleibt für mich weiterhin
rätselhaft, was Kreativität eigentlich genau ist, dabei
waren wir mittendrin, sie war die ganze Zeit vibrierend spürbar…

Vielen Dank an alle, die dabei waren und sich mit
soviel Hingabe und Ausdauer dieser Mutprobe gestellt haben!

Ihr seid wunderbar gewesen!

 

Müßiggang

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 „Fundstücke
Erinnerungen
Bruchstücke von Ewigkeiten
durch die Zeiten hindurch gesammelt
fügen sich
zu Momenten
ohne Zweifel“

An manchen Tagen, wenn ich keine Ideen und gar keine Lust
auf meine Pflichten habe, spiele ich einfach so vor mich
hin mit Dingen, die ich irgendwann gefunden und gesammelt
habe, kleine Kieselsteine, Kristalle, Knöpfe, Stöckchen
und Federn, getrocknete Blätter, irgendwelche Schnipsel und Bändchen…

… und plötzlich ist alles wieder da!

In meinem Inneren erscheinen Bilder aus meiner Kindheit,
als ich eine Indianerin sein wollte und draußen im Wald
viele Abenteuer erlebt habe, Geschichten, die ich gelesen habe
und die mir auf geheimnisvolle Weise schon bekannt vorkamen.
Wie ich als Kind selber Geschichten erfinden konnte, Buden
aus Ästen, Lehm und Moos mit Freunden bauen konnte,
an Regentagen drinnen stundenlang gemalt habe…

Die Dinge scheinen mich an etwas erinnern zu wollen.
Sie sind wie ein Schlüssel zu meinem eigenen Leben,
zu dem, was ich auch in mir gesammelt habe und es im
hektischen Alltag mit seinen Scheinwichtigkeiten nur
vergessen habe.
Damals war irgendwie alles abenteuerlich und von
Erfindergeist beseelt…

Der Müßiggang flüstert mir zu, was mir eigentlich
wichtig ist und ich beginne zu spielen, nicht
selten kommt eine Arbeit dabei heraus, die mir
auf geheimnisvolle Weise schon bekannt und doch
neu und abenteuerlich vorkommt…

Wie bereitet ihr Ideen und Erinnerungen den Weg zu euch?
Was ist euer „Schlüssel“?

Vielfalt der Möglichkeiten

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Manchmal….

höre und sehe ich so viel,
werde von allen Seiten inspiriert, und doch
will sich die eigene Gestaltungskraft nicht zeigen.
Ich springe von Farbe zu Farbe, von Idee zu Idee,
bleibe an keiner richtig hängen, geschweige denn,
dass ich imstande wäre, sie zu formen, auszufüllen
oder ihr eigenes Leben einzuhauchen.
Was ist los?

Im Grunde gilt meine Aufmerksamkeit
dann ganz dem Zuströmen, Aufnehmen und
Sammeln der Impressionen der „Außenwelt“,
so dass ich meine innere, eigene
kreative Stimme gar nicht hören kann.

Ich muss warten, bis sich die EINdrücke gesetzt haben,
bis sie unter der Oberfläche gereift sind.
Ich muss mich gedulden…

Erst dann kann ich aus dieser Quelle schöpfen,
dann höre ich meine Stimme wieder
und kann -vielleicht- einigen wenigen von ihnen
einen eigenen AUSdruck verleihen.
Erst dann können Gefühl und Form eins werden…

Papier, Holz und Stein

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„Es gibt anscheinend zwei Musen: Die Muse der Inspiration,
die uns die unausgesprochenen Visionen und Wünsche beschert
und die Muse der Verwirklichung, die ständig wiederkehrt,
um uns zu sagen: „Es ist doch schwieriger als gedacht.“
Das ist die Muse der Form. Es kann durchaus sein,
dass die Muse uns dann am besten dient, wenn sie als
Hindernis fungiert, um uns zu verblüffen und uns vom
beabsichtigten Weg abzubringen.
Es kann sein, dass wir erst, wenn wir nicht mehr wissen,
was wir tun sollen, bei unserer eigentlichen Arbeit
angelangt sind, und dass wir erst, wenn wir nicht mehr wissen,
welchen Weg wir einschlagen sollen,
unsere eigentliche Reise begonnen haben.

Wenn der Geist nicht verblüfft ist, arbeitet er nicht….“

Dieses Zitat von W.Berry habe ich zufällig aufgeblättert
und es sprach mir aus der Seele.
Kreative Wege werden erst dann spannend, wenn man bereit ist,
seine Pläne aufzugeben und dem Neuen zu vertrauen.
Experimente zu wagen, neu hinzusehen, neue Wege einzuschlagen,
auch wenn das die Möglichkeit des Scheitern beinhalten kann…
aber eben auch ganz neue Freuden und Erkenntnisse!

Also, vertrauen wir der Muse als Wegweiserin…