Alchemie oder: Das Geheimnis des Materials

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Weil nach der Ausstellung vor der Ausstellung ist und jede fertige Arbeit
einen mit mehr Fragen als Antworten zurücklässt, habe ich begonnen,
mich mehr mit der Materialbeschaffenheit des Bildes auseinanderzusetzen.

Werke des Mittelalters sehen oft aus, als wären sie erst gestern fertig
geworden, so frisch und klar leuchten die Farben. Manche Bilder aus
der klassische Moderne hingegen beginnen schon trüb und irgendwie
verstaubt auszusehen…

Fragen zur Qualität und Kombination der verwendeten Materialien
stellen sich hier. Wir konsumieren heute die Produkte, die uns angeboten
werden, jedoch oft, ohne die Inhaltsstoffe, die eigentliche Beschaffenheit
und möglichen Wechselwirkungen zu kennen.
Welche Farben und Pigmente sind mineralisch, pflanzlich oder synthetisch?
Sind sie deckend oder lasierend, lichtbeständig oder schnell verblassend?
Welche wasserfest, welche wasserlöslich? Sind Papiere säurefrei, heißgepresst, handgeschöpft und wie war das nochmal mit der Laufrichtung???
Wie lange sollte Holz abgelagert sein, um sich nicht gleich zu verbiegen–
von den energetischen Unterschieden der verschiedenen Holzsorten mal ganz zu schweigen … Fragen über Fragen….
Welche Aussage soll eine Arbeit haben und wie lange muss/soll sie eigentlich
schön sein? Handelt es sich um eine schnelle Skizze, kommt es an die Wand,
auf Bütten, Holz, Leinen, ans Licht oder ins Buch?
All das muss schon bei der Materialauswahl bedacht werden, denn:
„Was man in die Hand nimmt, nimmt man auch in sein Herz.“
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Neben der hochwertigen Materialauswahl gibt es noch eine weitere Ebene,
die dem Bild Charakter gibt. Die Ausstrahlung bzw Entwicklung eines Bildes, bei dem man alles selbst macht, ist sicher eine andere als bei Fertigprodukten…
– das Abschleifen der hochstehenden Holzfasern nach der ersten Grundierung
– das Prüfen und Auswählen des geeigneten Papiers
– das stundenlange, meditative Anreiben der Golduntergründe und Pigmente
– das Warten bei Trocknungsprozessen, während man die nächsten Schritte plant
– die Zeit, die man auf Farbproben verwendet, ist nie verloren und
– der Duft der Farben oder von Vergoldungsuntergründen ist unbezahlbar…

All dies schult die feine Wahrnehmung und vieles ist sicher erst auf den zweiten Blick erkennbar. Aber muss ein Bild schon bei der ersten Betrachtung all seine Geheimnisse preisgeben? Oder eher nur denen, die mehr sehen, sich Zeit nehmen und ihre Sinne geschult haben? Eben nicht für den schnellen Konsum.
„Die Mühe und Zeit, die man auf eine Sache verwendet, ist der Ausdruck der Liebe zu ihr.“ So ähnlich hat Hugo Kükelhaus es einmal formuliert.
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Bei diesen handwerklichen Tätigkeiten kann das Werk langsam Schicht für Schicht reifen, bzw. man selber reift gedanklich mit dem Fortschreiten der Arbeit. Es ist diese Wechselwirkung, die das künstlerischen Tun so faszinierend macht (und einen manchmal auch verzweifeln lässt…). Das Material ist immer in Resonanz mit dem Erschaffenden (was nicht immer angenehm sein muss, denn allzu oft ist es widerspenstig oder man hat eben auf die falsche Kombination gesetzt. Es will nicht so, wie man es sich gedacht hat, oder man war zu ungeduldig oder, oder…)

Kreativität war wohl schon immer eine abenteuerliche Reise ins Unbekannte.
Ich wünsche allen einen schöpferischen Sommer voll von Mutproben und künstlerischen Abenteuern!
… Und weil Malen immer auch etwas mit Dichten, Denken und Träumen zu tun hat, folgt zum Schluss ein Gedicht von mir:

Alchemie
Leuchtende Traumbilder
schillern durch meine Nächte
verlocken und behexen mich

Uralte Namen der Schönheit
flüstern mir Geheimnisse
in einer fremden Sprache zu
Ich erzittere unter ihrem Klang
der durch die Jahrhunderte vibriert

Gebrannt und gemahlen
wird die steinerne Kraft der Erde
verschmolzen mit dem Glanz des Himmels
Pflanzen und Tiere, alles bringt Opfer,
verbindet sich zu den Farben der Ewigkeit

Feuer und Glut
Gold und duftende Öle
berauschen meine Sinne
machen mich durchsichtig
führen mich ins Unbekannte…

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