Zeichnen und Skizzieren – eine Form der WAHR-nehmung

„Alles wird interessant und wichtig, wenn man lange genug hinsieht.“

Gustave Flaubert

Manchmal, aber es ist eher selten, bin ich für Stunden
ganz allein im Scriptorium – ohne Handy und sonstige Verbindung
zur Außenwelt. Ich liebe es, dort zu sein mit sehr leiser Lieblingsmusik,
gerade so, dass mich eine Art „Klangparfum“ wie eine Wolke
umschwebt und ich mich nicht zu allein in den großen Räumen fühle.
So kann ich vor mich hinarbeiten, und ohne mich zu beeilen, ohne klares
Ziel, schaffe ich meistens viel. Es entwickelt sich wie von selbst eine
Struktur, die ich anfangs gar nicht bewusst wahrnehme oder gar steuere…
So bin ich, ohne es zu planen, bei meinen Vergoldungsarbeiten für die
Ausstellung im Sommer im Bartlhaus fast ganz von Buchstaben und
Texten abgekommen und habe mich fürs Zeichnen und Malen von
Pflanzen- und Tierminiaturen begeistert.

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Dann ist mir während eines Besuchs der mittelalterlichen Sammlung
des Kölner Wallraff-Richartz-Museums wieder bewusst geworden, wie
eng Malerei, Schrift und Gold seit jeher doch verbunden sind. Jedes einzelne
Element hat seine Bedeutung, seine eigene „Sprache“ und speziellen Ausdruck.
Das macht diese Werke so faszinierend, fremd und vertraut zugleich.

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Deshalb übe ich mich neuerdings wieder mehr im Zeichnen und Skizzieren,
denn ähnlich wie beim schriftlichen Notieren wichtiger Gedanken, Empfehlungen oder Entdeckungen finden auch beim Zeichnen Vertiefungsprozesse statt.
Während des Zeichnens achte ich viel mehr auf Details – wie auf Schatten,
Farben, Größenverhältnisse – als beim bloßen Betrachten oder gar Fotografieren.

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Es gibt Untersuchungen, die Folgendes über Lernprozesse herausgefunden haben:
• durch Lesen: 10 Prozent
• durch Hören: 20 Prozent
• durch Sehen: 30 Prozent
• durch Hören und Sehen: 50 Prozent
• durch eigenständiges Erklären: 70 Prozent
• durch eigenes Tun: 90 Prozent

Vermutlich stimmt das…;) aber das dauert eben leider lange… seeehr lange…

Wahrscheinlich gehen Kurstage deshalb wie im Flug vorbei. Das, was
man gelernt hat, wird einem oft erst Monate später bewusst und
anwendbar. „Vertiefungsprozesse“, das ist wie einen Samen in die Erde
legen und wachsen lassen. Pflege UND Ruhephasen gehören dazu.
Eigentlich wissen wir das alle, und doch ist die eigene Geduld immer
wieder auf eine Probe gestellt… aber es lohnt sich!

Ich wünsche allen einen erfüllten, kreativen Frühlingsbeginn!

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