Vom Reiz alter Bücher

 

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Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, an einer Führung durch eine großartige, private Sammlung historischer, teils mittelalterlicher Bücher teilzunehmen. Die Kostbarkeiten wurden in einem eigens dafür bebauten Archiv bei idealen Bedingungen aufbewahrt, so dass sie auch für nachfolgende Generationen erhalten bleiben.

Der Gedanke, durch wieviele Jahrhunderte, durch welch wechselvolle Zeiten diese Schätze getragen und beschützt würden, setzt bei mir eine abenteuerliche, imaginäre Zeitreise in Gang, die mich absolut fesselt…

Diese Bücher sind wie Zeitzeugen einer längst untergegangenen Kultur. Sie sind teilweise von so erhabener Schönheit schon von außen betrachtet, mit ihren kostbaren Ledereinbänden und Verschlüssen, dem Goldschnitt und kunstvollen Edelsteinverzierungen. Bücher in allen Größen, vom kleinen Stundenbuch im “Senfkornfomat” bis zum großen Atlas oder riesigen Bibeln, die 20 Kilo und mehr wiegen.

Im Inneren offenbaren sie dann einen nicht enden wollenden Reichtum an kunstfertigen Schriften auf kreidefarbenem Pergament, phantasievollen Zeichnungen in brillanten Farben und Vergoldungen, die aber aber auch gar nichts von ihrem einstigen Glanz eingebüßt haben…

All das ist hergestellt worden ohne ein einziges technisches Gerät, allein durch Menschenhand und dem Wunsch, die für das geistige Leben wichtigen Botschaften würdig festzuhalten, darzustellen und weiterzureichen…

Rose Ausländer findet dazu sehr poetische Worte:

Papier ist Papier
aber es ist auch
ein Weg
zu den Sternen
zu Sinnbild
und Sinn
blinden Geheimnissen
und
zu den Menschen

Ein Gedanke zu „Vom Reiz alter Bücher

  1. Petra Decking

    Während ich dies schreibe,denke ich über das nach, was in meinem Kopf vor sich geht: jenes Dröhnen, von dem ich eingangs gesprochen habe und das mir beinahe unmöglich gemacht hat, meinem Auftrag mit Niederschrift nachzukommen. (Teresa von Avila)

    Gäbe es nicht die Be-Hüter der Schriften hätten wir unsere Schwestern und Brüder verloren.
    Und so wird aus einem Familienbesitz eine Heimat.
    Und Dein Beitrag wie eine Grußkarte von einem Familienausflug.

    Antworten

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